Durch Ausschweifung wird Sex zur Gewohnheit

Durch Ausschweifung kannst du ein bißchen Stau loswerden, genauso wie beim Niesen. Aber mehr ist es nicht. Es ist eine physische Entladung von Energie. Die Energie staut sich, du schleuderst sie heraus und baust sie wieder auf, durch Nahrung, durch Sport, durch Sonnenlicht. Du baust sie auf und verschleuderst sie wieder. Das ist es, was ein ausschweifender Mensch ständig tut: er baut viel Energie auf und dann entlädt er sie, ohne Sinn und Zweck, für einen kurzen Moment der Lust.

Weißt du, daß diese Energie dir Erleuchtung, immerwährende Glückseligkeit schenken könnte? Wenn sich die Energie aufbaut leidet der Mensch unter Spannungen. Er fühlt sich unglücklich, leidet an tausendfältigen psychosomatischen Beschwerden. Wenn er seine Energie verschleudert, fühlt er sich matt, leidet unter Schwäche, seine Lebenfreude, seine Lebenslust verlassen ihn. Er leidet nur.

Glaubt bloß nicht, daß ein ausschweifender Mensch ein glücklicher Mensch ist. Niemals! Er ist der unglücklichste Mensch der Welt. Wie kann er glücklich sein? Er hofft, er wünscht sich Freude, aber er wird immer nur enttäuscht. Die Enttäuschung aber fügt er sich selber zu, weil er so achtlos seine Energie vergeudet.

Tantra ist eine Begegnung mit den Realitäten des Lebens. Und Sex ist etwas Fundamentales, genau so wie der Tod. Das sind die beiden Basischakras (1), Muladhar (liegt am unteren Ende der Wirbelsäule, am Steißbein) und Swahistan (auch Sakralchakra oder Sexualchakra genennt). Wenn du sie verstehtst, öffnet sich das dritte Chakra. Wenn du das dritte verstehst, dann öffnet sich das vierte und so weiter und so fort. Wenn du sechs Chakras verstanden hast, berührt dieses Verständnis das siebte Chakra und es blüht als tausendblättriger Lotus auf. Dieser Tag ist ein Tag höchster Herrlichkeit. An diesem Tag kommt Gott zu dir und du kommst zu Gott. Das ist der Tag der Verschmelzung. (2)
(1) Chakras sind Energiezentren im Körper (siehe Bild 3). Vom Basischakra, dem Muladhar, welches im Becken, beim Steissbein angesiedelt ist, steigt die Kundalini über das Swadhistana, dem Sexualchakra, entlang der Wirbelsäule bis zum Scheitelchakra auf dem Kopf, dem Scheitel, hinauf. Hat die Energie das Scheitel- oder Kronenchakra erreicht, dann entspricht dies der Erleuchtung. Dieses siebenstufige Kundalinimodell ist aber nur eine symbolische Darstellung, um die unbekannten und vielfältigen physiologischen (hormonellen) Vorgänge zu erklären, sie anschaulich zu machen.

(2) Auch das Verstehen der Chakren ist symbolisch gemeint, denn in Wirklichkeit gibt es nichts zu verstehen. Und es gibt auch den Kundaliniaufstieg nicht in dieser Form. Wie gesagt, es ist eine symbolische Darstellung. In Wirklichkeit finden physilogische Prozesse statt, die einerseits auf der Sublimierung (Umwandlung) sexueller Energien beruhen und die andererseits mittels spiritueller Praktiken (Yoga, Tantra, Meditation, Zen, Autogenes Training, usw), die meist über Jahre praktiziert werden, ausgelöst werden.

Wenn man Glück hat, dann kommt irgendwann der Tag, an dem alle Sorgen, alle Ängste und aller Kummer von uns abfallen und wir eine Seligkeit erfahren, die man als göttlich empfindet. Man ist endlich bei sich selber angekommen und erlebt solch einen tiefen inneren Frieden, solch eine Ruhe und Ausgeglichenheit, solch eine Freude und Lebenslust, wie man es sich immer gewünscht hat. Alle Ängst, alle Spannungen sind verflogen. Das endlos lange Leiden hat ein Ende. Stille, Frieden und Freude kehrt in uns ein. Wir haben (symbolisch) das Reich Gotte betreten. Oder vielleicht sogar real?
Das ist der Tag des kosmischen Orgasmus. An diesem Tag umarmt das Göttliche dich, und du umarmst das Göttliche. An diesem Tag verschwindet der Fluß im Ozean für immer und ewig. Von nun an gibt es kein Zurück mehr. (3)
(3) Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, daß nicht auch der heiligste Engel wieder in die Hölle abstürzen könnte. Für jede Unvernunft zahlt man seinen Preis. So manch Heiliger mußte diese Erfahrung machen. Er büßte seine Seligkeit für ein paar Momente sinnlicher Lust ein. Der Eros läßt sich nicht so leicht überlisten. Er versteht es immer wieder uns in die Irre zu führen. Auch Adam und Eva bezahlten einen hohen Preis, weil sie wie Gott sein wollten und wurden aus dem Paradies vertrieben.
Aber auf jeder Stufe des Geistes muß man zum Verstehen gelangen. Wo immer du bist, auf welcher Stufe du auch bist, hab' keine Angst. Das ist die Botschaft des Tantra: wo immer du bist, sei nicht ängstlich. Die Angst ist das einzige, was du loslassen mußt. (4) Es gibt nur eines, wovor man sich fürchten muß: vor der Angst. Was immer die Realität ist, schaue sie dir mutig und angstfrei an. Wenn du ein Dieb bist, dann schaue dir das genau an. Wenn du ein aggressiver Mensch bist, schaue dir deine Wut genau an. Wenn du gierig bist, dann schaue es dir an. Reiße nicht aus.
(4) Auf die Angst hat der Wille, der Verstand keinen Einfluß. Angst ist das Resultat eines physiologischen Zustandes. Ändert sich die Physiologie, dann besteht die Hoffnung, die Möglichkeit, daß die Angst irgendwann verschwindet. Sie verschwindet, wenn die Ursache der Angst verschwindet. Meditation ist eine Möglichkeit heilsam auf die Physiologie einzuwirken. Aber auch Sport, Yogaübungen, eine gesunde Ernährung und andere Dinge können zur Genesung beitragen.
Wenn du deine Realität genau anschaust, gehst du schon durch sie hindurch. Du beobachtest und gehst hindurch. Wenn du den Weg in die Gier, in den Sex, in die Wut, in die Eifersucht mit offenen Augen gehen kannst, dann befreist du dich davon. Das ist das Versprechen des Tantra: Wahrheit macht frei. Wissen macht frei. Wissen ist Freiheit. Andernfalls macht es keinen Unterschied, ob du verdrängst oder ausschweifend bist - es läuft aus das gleiche hinaus.

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Meditation ist der Weg zu dir selbst, zu Gott
Ich liebe meinen Mann, aber ich hasse Sex
Das eigene Ego zu verbrennen ist das wahre Opfer
Mit den Augen des Künstlers - nur Seligkeit ist wahres Leben

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