Wenn du liebst, dann teilst du alles

Du hast wahrscheinlich einige Tabus in deinem Kopf, einige Hemmungen. Was ist Sex? Zwei Menschen, die sich am Punkt höchster Intensität vereinen, die sich nicht nur an den Händen halten, die nicht nur ihre Körper umarmen, sondern die auch tief in die Energie des anderen eindringen.

Warum solltest du Sex hassen? Wahrscheinlich haben dir die Mahatmas (1), die Priester, dir das eingeredet, die sogenannten religiösen Menschen, die die ganze Menschheit vergiftet haben, die die eigentlichen Quelle unseres Wachstums vergiftet haben.
(1) Mahatma ist eine Ehrenname, er heißt übersetzt „große Seele“. Denken wir z.B. an Mahatma Gandhi.

Alle ernsthaften spirituellen Pfade gehen im Prinzip davon aus, daß Erleuchtung nur dann erlangt werden kann, wenn der Mensch die sexuelle Abhängigkeit überwindet, wenn er vollkommen auf Sex verzichtet. Das ist zwar im Prinzip richtig, aber sagte nicht schon der Heilige Augustinus: "Herr, gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, aber noch nicht jetzt."

Viele Menschen wollen nicht enthaltsam leben. Es ist allein ihre Entscheidung, ob sie auf Sex verzichten wollen oder nicht. Den meisten Menschen sind ohnehin die spirituellen Gesetzte nicht bekannt. Sie wissen nicht, was Erleuchtung ist, sie wissen nicht, wie man das höchste Glück, welches der Mensch auf Erden erlangen kann, erreichen kann. Und darum entscheiden sich die Menschen in der Regel, ohne es zu wissen, für ihr eigenes Leid.

Es gibt im Prinzip zwei Wege, die sexuelle Abhängigkeit zu überwunden. Der eine Weg ist der Weg des Yoga, der andere der Weg des Tantra. Bei beiden Wegen geht es im Prinzip darum, die sexuelle Energie für höhere Bewusstseinszustände zu nutzen. Der Weg des Yoga ist der konsequentere Weg. Beim Yoga verzichtet man freiwillig auf jede sexuelle Aktivität. Im Yoga hat man nur Sexualität, wenn man Kinder zeugen möchte. Mahatma Gandhi schlief einmal im Jahr mit seiner Frau. Sie hatten zusammen vier Kinder.

Für manche Menschen ist der Weg des Yoga der einfachere Weg. Andere Menschen bevorzugen den tantrischen Weg. Auch hierbei ist sehr viel Disziplin erforderlich, geht es doch auch beim Tantra darum die sexuelle Energie nicht achtlos zu vergeuden, sondern sie für den spirituellen Pfad zu nutzen. Auch beim Tantra verzichtet man möglichst auf den Orgasmus.

Man ist zwar intim vereint, genießt das zärtliche Miteinander oft stundenlang (natürlich mit Pausen, aber ihr könnt es stundenlang genießen, miteinander intim zu sein), aber vermeidet den sexuellen Höhepunkt. Aber darauf zu verzichten, ist nicht immer einfach, sind die Sinne doch oft stärker als die Vernunft.
Kommt es hin und wieder doch zum sexuellen Höhepunkt, dann habt keine Angst, laßt euch fallen und von der Ekstase davontragen. Um so seltener der Orgasmus geschieht, um so schöner ist er, um so größere therapeutische, heilende Wirkung hat er.
Das Brahmacharya (das Keuschheitsgelübte) der Yogis und buddhistischen Mönche ist genauso bedeutsam wie das Zölibat der katholischen Priester und Mönche. Man sollte es nicht verurteilen, denn dahinter steht eine jahrtausend alte Weisheit, die viele Heilige und Erleuchtete hervorgebracht hat. Nur der Unwissende wertet das heilige Sakrament der Keuschheit ab. Aber was versteht er schon davon?
Wenn du liebst, dann teilst du alles. Wenn du liebst, hast du keine Geheimnisse. Wenn du liebst, ist dein Herz vollkommen offen, dann gibst du dich hin. Wenn du liebst, dann gehst du mit ihm sogar in die Hölle. Aber so ist es. Wir gehen sehr geschickt mit Worten um: wir sagen nicht, daß wir nicht lieben. Stattdessen erwecken wir den Eindruck, daß wir lieben - und den Sex hassen wir.

Wenn du deinen Mann liebst, dann willst du dein ganzes Dasein mit ihm teilen. Wenn du liebst, dann liebst du auch den Sex mit ihm. Was meinst du damit, wenn du sagst, du hasst den Sex? Du sagst damit, daß du erwartest, daß dein Mann finanziell für dich aufkommt, daß er sich um das Haus kümmert, daß er dir ein Haus und einen Pelzmantel schenkt. Du möchtest den Mann ausnutzen... und das nennst du Liebe? Und du möchtest nichts mit ihm teilen.

Sex ist nicht die ganze Liebe, das ist wahr. Liebe ist mehr als Sex. Aber Sex ist die eigentliche Grundlage der Liebe. Ja, eines Tages verschwindet der Sex, aber man sollte ihn nicht hassen, damit er verschwindet. Das ist nicht der richtige Weg. Ihn zu hassen heißt ihn zu unterdrücken. Und was immer unterdrückt wird, kommt auf die eine oder andere Weise wieder zum Vorschein. Bitte versuche keine Nonne zu werden, denn wenn du liebst... teilst du dein Kopfkissen... auch mit mir. ;-)

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