Die Sexenergie muß freigesetzt werden

Es ist sehr schwierig, jemanden zu treffen, der keine Blockaden hat. Es ist sehr schwierig, jemanden zu treffen, dessen Körper nicht verspannt ist. Lockere diese Verspanntheit. Die Verspanntheit blockiert deine Energie. Sie raubt die deine Freude, dein Wohlbefinden, deine Lebenslust. Sie nimmt dir deinem Atem, deine Gesundheit und läßt die Angst in dir aufsteigen. Bei dieser Verspanntheit ist kein Fließen möglich.

Warum sind alle so verspannt? Warum kannst du dich nicht entspannen? Hast du einmal eine Katze beobachtet, wenn sie am Nachmittag ein Schläfchen hält? Wie einfach und wie schön die Katze sich entspannt. Warum kannst du dich nicht genau so entspannen? Die Entspannung der Katze ist deshalb so schön, weil sie sich total entspannt und dabei doch total wach ist. Eine kleine Bewegung im Raum und schon öffnet sie die Augen, ist sie auf dem Sprung. Wir müssen lernen, wie die Katzen zu schlafen, aber der Mensch hat es vergessen. (1)
(1) Die Frage, warum wir so verspannt sind und uns nicht entspannen können ist gar nicht so leicht zu beantworten. Einerseits sind wir mit tausend Verboten erzogen worden. Eines dieser Verbote ist zum Beispiel, daß wir nicht laut sein dürfen, weil dies die Eltern oder die Nachbarn stören könnte. Ein Kind ist aber voller Energie. Es möchte toben, es möchte seine ganze Lebenslust zum Ausdruck bringen. Seht euch junge Hunde an, was für eine Energie sie besitzen. Sie sind kaum zu bändigen.

So ähnlich ergeht es den Kindern. Sie sind voller Energie, aber sie dürfen sie nicht austoben. Im Laufe der Zeit entwickeln sie ein ängstliches Verhalten, weil sie stets befürchten müssen, getadelt oder gar bestraft zu werden. Sie ziehen sich gewissermaßen in ein Schneckenhaus zurück und beobachten ängstlich, ob ihnen von irgendwo Gefahr droht. Sie passen sich vollkommen an und leben fortan ein Leben in einer unsichtbaren Zwangsjacke. Dabei erstirbt ihre Spontanität, ihre Kreativität, ihre Lebensenergie und ihre Lebenslust.

Sie leben ein Leben auf Sparflamme. Angst bestimmt fortan ihr Leben. Ihre Energien sind blockiert, sie können nicht mehr frei fließen. Dies schlägt sich auch in psychosomatischen Erkrankungen nieder, die sich so leicht nicht wieder ablegen lassen, weil dann die ganzen unterdrückten Emotionen, die Wut, die Angst, die Trauer, die Enttäuschung und der Hass aus ihnen hervorbrechen würde, die sie jahrelang unterdrückt haben.

Weil sie diesen Emotionen nicht gewachsen sind, leben sie lieber in ihrem emotionalen Gefängnis, das ihnen Sicherheit bietet, auch wenn diese Sicherheit sehr trügerisch ist, denn es besteht immer die Gefahr, daß die unterdrückten Emotionen sich eines Tages ihre Bahn brechen.
Tantra sagt, lernt von den Katzen, wie sie schlafen, wie sie sich entspannen, wie unverkrampft sie leben. Die ganze Tierwelt lebt unverkrampft. Der Mensch muß es erst lenen, denn er ist falsch konditioniert (erzogen) worden. Er ist falsch programmiert worden. (2) Schon in früher Kindheit hat man euch beigebracht, verspannt zu sein. Ihr atment nicht - aus Angst.
(2) Es geschieht nicht aus Absicht oder Böswilligkeit, daß Kinder zur Angst erzogen werden. Es liegt vielmehr daran, daß die meisten Eltern selber psychisch erkrankt sind. Sie übertragen bewusst oder unbewusst ihre eigenen Ängste auf ihre Kinder. Um so mehr Probleme die Eltern haben, um so mehr übertragen sie auf ihre Kinder. Die Kinder können sich von ihren Ängsten und Verspannungen nur befreien, wenn sie irgendwann den Mut haben, sich ihren Ängsten zu stellen. Sobald sie erkannt haben, wo die Ursachen ihrer Leiden sind, können sie etwas dagegen unternehmen.
Aus Angst vor der Sexualität atmen die Menschen nicht, denn wenn man tief atmet, geht der Atem direkt ins Sexzentrum, massiert es von innen, erregt es. Weil man euch beigebracht hat, daß Sex gefährlich ist, atmet schon das Kind ganz flach. Der Atem kommt nicht über die Brust hinaus. Weiter kommt das Kind nicht. Sobald es tiefer atmet, wird es plötzlich erregt: die Sexualität wird geweckt und Angst kommt auf. Sobald ihr tief atmet wird Sexenergie frei. (3)
(3) Ich bin nicht davon überzeugt, daß die Ängste hauptsächlich dadurch entstehen, daß man das Sexzentrum unterdrückt. Natürlich ist die Sexualität mit Angst besetzt, wenn in der Familie die Nacktheit tabu ist und die Sexualität nur hinter verschlossener Tür stattfinden darf. Habt ihr schon einmal erlebt, daß ein Hund sich mit seiner Auserwählten in eine Hundehütte zurückzieht, die Tür verschließt und sich mit ihr paart? Sagte nicht schon John Lennon: „Why don't we do it on the road?“

Ich glaube, unsere Ängste werden schon viel früher angelegt. Es beginnt bereits in der Wiege. All die vielen kleinen Tadel und Ermahnungen, die Strafen und all die vielen emotionalen Verletzungen, die wir erfahren, führen allmählich dazu, daß wir uns in uns selber zurückziehen. Lange bevor die Sexualität erwacht, sind die meisten Menschen chronisch psychisch erkrankt. Wie soll man da eine gesunde Einstellung zur Sexualität entwickeln?

Ich bin auch nicht davon überzeugt, daß das Aufleben der Sexenergie dazu führen sollte, daß wir pausenlos unserem sexuellen Verlangen, unseren sexuellen Wünschen und Phantasien hinterherlaufen sollten, einem Verlangen, welches sich besonders durch die Onanie sehr schnell zu einem Suchtverhalten entwickelt.

Die sexuelle Energie kann sich ebenso in mehr Lebensfreude, in mehr Lebensenergie, in mehr Kreativität, Lebendigkeit, Kontaktfeudigkeit und Aufgeschlossenheit ausdrücken, wenn man die sexuelle Energie nicht pausenlos für kurzfristige und meist oberflächliche sexuelle Vergnügen verausgabt.

Der eine beginnt vielleicht zu lesen, der andere zu malen oder zu musizieren, wieder andere lernen neue Freunde kennen, mit denen sie etwas unternehmen. Ich halte es für durchaus sinnvoll, die sexuelle Energie in vernünftige Kanäle zu leiten. Dies hat den Vorteil, daß das Leben entspannter, weniger ängstlich, fröhlicher, heiterer und gelassener wird.
Die Sexenergie muß freigesetzt werden. Sie muß dein ganzes Wesen durchströmen. Dann wird dein Körper orgasmisch. Aber du hälst den Atem vor lauter Angst an und die Lungen füllen sich bis fast zur Hälfte mit Kohlendioxid. In den Lungen gibt es sechtausend Hohlräume und normalerweise werden dreitausend davon nie gereinigt. Sie sind immer voller Kohlendioxid. Deshalb seid ihr so träge. Deshalb seid ihr nicht wach. Deshalb fällt euch Bewusstheit so schwer.

Es ist kein Zufall, daß sowohl Yoga als auch Tantra lehren tief zu atmen, um die Lungen vom Kohlendioxid zu entlasten (Pranayama = Atemübungen). Das Kohlendioxid ist nicht für euch bestimmt. Es muß ständig ausgestoßen werden. Man muß neue frische Luft einatmen, man muß mehr Sauerstoff atmen.

Sauerstoff entfacht euer inneres Feuer. Sauerstoff entflammt euch. Aber Sauerstoff wird auch eure Sexualität entfachen. Also kann nur Tantra tiefes Atmen zulassen. Nicht einmal Yoga erlaubt euch tief zu atmen. Yoga erlaubt euch nur bis zum Bauchnabel zu atmen, nicht darüber hinaus. (4)  Ihr sollt nicht durchs Harazentrum (Nabelzentrum) gehen (5), nicht durch den Swadhistan-Punkt (Sexualchakra), denn wenn man erst einmal durch Swadhistan geht, springt man ins Muladhar (Nabel- oder Solarplexuschakra).
(4) Es ist leider vollkommen falsch, wenn da behauptet wird, Yoga erlaubt euch nur bis zum Bauchnabel zu atmen. Natürlich ist es das Bestreben eines jeden Yogi seine natürliche Atmung wiederzufinden. Niemand verbietet ihm so tief zu atmen wie möglich. Der Yoga hat sich sehr intensiv mit der Atmung beschäftigt und etliche Atemtechniken entwickelt.

Es ist auch falsch, wenn da gesagt wird, Yoga sagt, die Atmung soll nicht durch's Harazentrum (Nabelzentrum) gehen. Gerade das Nabelzentrum hat im Yoga die allergrößte Bedeutung. Erst dann, wenn man aus dem Nabelzentrum heraus atmet, kann man das höchste Glück erfahren, welches für den Menschen möglich ist, die Erleuchtung. Im Nabelzentrum sitzen unsere ganzen Ängste. Sie bereiten uns permanent Magenschmerzen. Hat man diese Ängst abgelegt, öffnet sich das Tor zum Paradies. Erst dann erleben wir die Seligkeit, den inneren Frieden und die Lebensfreude, nach der wir uns zeitlebens gesehnt haben.

(5) Das Harazentrum, welches auch Nabelzentrum oder Solarplexus genannt wird, weil es in der Höhe des Bauchnabels liegt, wird z.B. im Zen und im Taoismus als das wichtigste spirituelle Zentrum des Körpers betrachtet. Man erkennt seine Wichtigkeit z.B. darin, daß es offensichtlich auch das Zentrum unserer Angst ist. Wenn uns irgendetwas ängstigt, dann bekommen wir Magenschmerzen. Diese Magenschmerzen können chronisch werden. Ist das Nabelzentrum einmal geheilt, dann lösen sich nicht nur alle Ängste auf, sondern man empfindet eine unbeschreibliche Freiheit und Glückseligkeit.
Die Zauberkraft wahrer Liebe
Dein Körper ist dein Tempel
Weisheit ist der beste Schutz - die Natur unser Lehrer
Tantra - ein individueller Weg zu Gott
Es gibt zwei Arten von Liebe

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