Das zweite, worüber Tantra spricht, sind die Sinne. Und wieder sind die Religionen gegen die Sinne. (1) Sie versuchen, die Sinne und die Sensitivität abzustumpfen. Aber die Sinne sind die Tore der Wahrnehmung, die Sinne sind die Fenster zur Wirklichkeit. Was ist dein Auge? Was sind deine Ohren? Was ist deine Nase? Fenster zur Realität, Fenster zu Gott. Wenn du richtig sehen kannst, kannst du Gott überall sehen. Also dürfen die Augen nicht zu sein, sie müssen richtig aufgemacht werden. Auch die Ohren dürfen nicht geschlossen sein, denn alle Töne sind göttlich.
(1) Warum sollten Religionen gegen die Sinne sein? Ich kann das nicht erkennen. Ich glaube, das Problem liegt woanders. Wir werden in eine Familie hineingeboren, wobei der eine mehr Glück hat, als der andere, weil er in eine Familie hineingeboren wird, die ihm mehr Freiheit, mehr Geborgenheit, mehr Entfaltungsmöglichkeiten, mehr Bildung, mehr ethische Vorbilder, vielleicht auch spirituelle Einsichten schenkt, die toleranter, liebevoller und liberaler ist, in der er sich freier entfalten kann und in der er weniger physische und psychische Gewalt erlebt. Wenn man in solch einer Familie aufwächst, dann fällt es leichter seine Sinne zu schulen.Die Vögel singen Mantras. Die Bäume lehren uns das Schweigen. Alle Töne sind Gottes Töne, auch das Schweigen ist göttlich. Wenn du also keine Sensibilität, keine Sensitivität in dir hast, wie willst du Gott dann erkennen? Und man schickt euch in die Kirche, in einen Tempel, um ihn dort zu finden, dabei ist er doch überall. (2)
Es hat auch wenig Sinn von einer idealen Gesellschaft zu träumen, in der die Entwicklung eines Kindes nicht durch negative äußere Faktoren beeinflusst wird. Solch eine Gesellschaft gibt es nicht. Wir müssen uns mit den Realitäten anfreunden und versuchen, das Beste daraus zu machen. Es hat wenig Sinn irgendjemand eine Schuld zuzuweisen. Das hilft uns nicht weiter, uns von unseren Leiden zu befreien. Und nebenbei gesagt leben wir heute in einer Zeit, die gar nicht so schlecht ist. Noch nie gab es so wenig Armut. Noch nie waren die Menschen so gebildet. Noch nie lebten die Menschen so gesund und noch nie hatten die Menschen so ein langes Leben wie heute.
Und wenn wir schon nach einem Schuldigen suchen, dann sollten wir bei uns selber beginnen. Wer ist denn für die Fehler verantwortlich, die wir machen? Das sind wir doch in erster Linie selber. Wir entscheiden, ob wir in Maßen essen oder ob wir maßlos sind. Wir entscheiden darüber, ob wir in Maßen Alkohol trinken oder rauchen, ob wir Drogen und Tabletten nehmen, ob wir unser Leben vernünftig oder unvernünftig gestalten und wir entscheiden darüber, wie wir es mit unserer Sexualität halten. Niemand redet uns dort rein und verleitet uns zur Unvernunft. Wir ganz allein sind für unser Leben verantwortlich. Und wenn wir leiden, dann liegt es in erster Linie daran, daß wir wider besseren Wissens handeln.
(2) Wenn Gott überall ist, dann ist er doch auch in der Kirche. Warum sollten wir deshalb nicht in eine Kirche oder in einen Tempel gehen, um ihm nah' zu sein, um mit ihm zu reden oder mit ihm zu schweigen? Ich gehe gerne ab und zu in die Kirche. Manchmal mit einer kleinen Bitte, manchmal mit einem Dank, manchmal einfach nur so und machmal, weil ich das Gefühl habe, ihm dort nahe zu sein. In der Kirche kann man den Alltag einfach einmal für einen Moment draußen lassen und sich ganz auf Gott konzentrieren. Außerdem mag ich, obwohl ich ein religiöser Agnostiker bin, die vielen Kerzen, die dort immer brennen.Tantra lehrt also, daß die Sinne die Tore der Wahrnehmung sind. Wir haben unsere Sinne aber abgestumpft. Diese Dummheit müßt ihr aufgeben, eure Sinne müssen gereinigt werden. Eure Sinne sind wie ein Spiegel, der matt geworden ist, weil sich so viel Staub auf ihm angesammelt hat. Der Staub muss weggewischt werden. Tantra sagt: Koste Gott in jedem Geschmack. Tantra sagt: gehe total in deine Berührung ein, denn was immer du berührst ist göttlich. Berühre, rieche, schmecke, schaue und höre so total wie möglich. Ihr werdet diese Sprache erst wieder lernen müssen, denn ihr habt sie vergessen.
Jedes Kind wird mit wunderbaren Sinnen geboren. Beobachtet einmal ein Kind. Wenn es mit seinen Spielsachen spielt, geht es völlig darin auf. Wenn es schaut, wird es ganz Auge. Wenn es hört, wird es ganz Ohr. Wenn es isst, ist es mit allen Sinnen dabei. Und mit welchem Genuß! Mit was für einer Energie! Mit welcher Lust! Seht euch ein Kind an, wenn es im Garten hinter einem Schmetterling hinterherläuft. Es geht ganz darin auf, selbst Gott könnte es nicht ablenken. So ein totaler, meditativer Zustand. Seht euch ein Kind an, das Muscheln am Strand sucht, als ob es Diamanten wären.. Alles ist kostbar, wenn die Sinne lebendig sind.
Später im Leben wird dasselbe Kind die Wirklichkeit so wahrnehmen, als wäre sie hinter einer abgedunkelten Scheibe verborgen. Du betrachtest einen Baum und der Baum sieht glanzlos aus. Du hörst ein Lied und es spricht dich nicht an. Als Kind hast du zu demselben Lied voller Freude getanzt. Selbst wenn du ein Lied von Saraha (indischer Tantrameister) hörst, gefällt es dir nicht, weil deine Intelligenz abgestumpft ist. Versuche deine vergessene Sprache zurückzugewinnen.
Wenn du ißt, iß nicht einfach nur schnell und hastig, sondern versuche die vergessene Sprache des Schmeckens wieder zu erlernen. Berühre das Brot, fühle seine Struktur. Fühle es mit offenen Augen, fühle es mit geschlossenen Augen. Wenn du kaust, kaue wirklich, denn du kaust Gott. Vergiß das nicht. Es wäre respektlos nicht richtig zu kauen, nicht richtig zu schmecken. Laß es ein Gebet sein und ein neues Bewußtsein wird in dir aufsteigen. Du wirst in die Geheimnisse des Tantra eingeweiht werden.
Haben Hinduismus und Christentum dieselben Wurzeln?
Mache deinen Körper zum Freund
Wenn sexuelle Lust an die Stelle der Liebe tritt
Die Sexenergie muß freigesetzt werden
Die Zauberkraft wahrer Liebe

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