Ich liebe meinen Mann, aber ich hasse Sex

Ich liebe meinen Mann, aber ich hasse Sex. Ist Sex nicht animalisch?

Das stimmt. Aber der Mensch ist ein Tier, genau so tierisch wie irgendein anderes Tier. Aber wenn ich sage, daß der Mensch ein Tier ist, dann meine ich damit nicht, daß er auch als Tier endet. Er kann mehr sein als ein Tier. Er kann auch weniger sein als ein Tier. Das ist die Herrlichkeit des Menschen, die Freiheit und die Gefahr, die Ekstase und der Schmerz. Der Mensch kann weit unter den Tieren stehen, aber der Mensch kann auch weit über den Göttern stehen. Er hat ein grenzenloses Potential.

Ein Hund ist ein Hund. Er bleibt ein Hund. Er wird als Hund geboren und er stirbt als Hund. Der Mensch aber kann ein Jesus werden, ein Buddha. Der Mensch kann auch ein Stalin oder Adolph Hitler werden. Die menschlichen Möglichkeiten sind in beiden Richtungen sehr offen. Er kann in den Himmel aufsteigen oder in die Hölle hinabstürzen. Himmel und Hölle sind nicht im Jenseits, sondern im Hier und Jetzt. Jeder kann entscheiden, welchen Weg er geht.

Kennt ihr ein Tier, das gefährlicher ist als der Mensch, das verrückter ist als der Mensch? Stellt euch einmal folgende Szene vor: 50.000 Affen sind in einem Stadion und töten kleine Kinder, werfen sie ins Feuer. Was würdet ihr von ihnen halten? Tausende von Kindern werden ins Feuer geworfen. Ein großes Feuer brennt im Stadion und 50.000 Affen sind verrückt vor Freude und tanzen und Kinder werden ins Feuer geworfen - die eigenen Kinder.

Was haltet ihr von diesen Affen? Glaubt ihr nicht, daß die Affen verückt geworden sind? Aber genau das haben Menschen getan. Es ist in Karthago (1) passiert: fünfzigtausend Menschen verbrennen Kinder. Einmal verbrannten sie 300 Kinder als Opfergabe für ihren Gott. Ihre eigenen Kinder!
(1) Karthago ist eine Großstadt in Nordafrika nahe dem heutigen Tunis in Tunesien. Karthago wurde im neunten oder achten Jahrhundert vor Christus von phönizischen Siedlern gegründet. Die Phönizier waren ein semitisches Volk des Altertums, das hauptsächlich im Bereich des heutigen Libanons und Syriens an der Mittelmeerküste lebte.
Aber vergesst Kathargo. Das ist lange her. Was hat Adolf Hitler im letzten Jahrhundert getan? Natürlich war das in einem fortschrittlichen Zeitalter. Deshalb konnte Hitler größere Dinge vollbringen als die Karthager. (2) Hitler tötete Millionen von Juden (5 bis 6 Millionen). Tausende wurden in einer Gaskammer zusammengepfercht und vergast.
(2) Genozide (Völkermorde) sind nicht unbedingt an ein fortschrittliches Zeitalter gebunden. Zwischen 1000 und 1500 n.Chr. sollen Muslime 80 Millionen Hindus ermordet haben.

Und weil wir gerade bei Genoziden sind, soll der „legale“ Genozid, der seit Jahrzehnten in Europa mit eurer Zustimmung stattfindet, und bei dem viele Millionen Kinder, ungeborene Kinder, sterben (abgetrieben werden), ohne daß offiziell ein Krieg stattfindet, nicht unerwähnt bleiben. Aber es ist ein Krieg. Es ist ein Krieg, der mit eurer Zustimmung stattfindet und bei dem ihr selber die Täter seid. Also rümpft nicht die Nase über Adolph Hitler, sondern fasst euch an eure eigene Nase, jedenfalls die, die sich an diesem Verbrechen beteiligt haben.

Die Zahl, der seit der Liberalisierung der Abtreibung im Jahr 1974 abgetriebenen Kinder, hat die Größenordnung von 8 Millionen. Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, bezeichnete die massenhafte Abtreibung in einem Beitrag als täglich verschwiegener Super-GAU (GAU = Größter Anzunehmender Unfall). Jeden Tag würden mehr als zehn Klassenzimmer ausgelöscht, so Meisner. Der Kardinal mahnt: „Ich bin überzeugt, die acht Millionen in den letzten Jahrzehnten im Mutterleib Getöteten lasten auf unserem kollektiven Gewissen.“
Hunderte von Leuten standen draußen und guckten zu, beobachteten alles durch kleine Spiegelfenster. Was haltet ihr von diesen Leuten? Was sind das für Leute? Menschen werden vergast, verbrannt, verdampft und andere schauen zu. Könnt ihr euch vorstellen, daß Tiere so etwas machen? In dreitausend Jahren hat der Mensch fünftausend Kriege geführt und getötet, getötet, getötet. Und du nennst Sex animalisch? Tiere haben noch nie so animalische Dinge getan wie der Mensch. Und du glaubst, daß der Mensch kein Tier ist?

Der Mensch ist ein Tier. Und die Vorstellung, daß der Mensch kein Tier ist, ist eine der Irrtümer, die euer Wachstum behindern.. Ihr seid überzeugt, daß ihr keine Tiere seid und darum hört ihr innerlich auf zu wachsen, falls ihr überhaupt jemals damit begonnen habt. Das erste, was ist einsehen müßt, ist dies: Ich bin ein Tier und ich muß wach sein und über das Tier hinauswachsen, um irgendwann meine göttliche Existenz zu verwirklichen, denn das Reich Gottes ist in uns und nirgendwo anders. (3)
(3) Ich möchte noch einmal auf den Titel eingehen: „Ich liebe meinen Mann, aber ich hasse Sex.“ Männern fällt es schwer diesen Satz zu verstehen, weil Männer eigentlich immer Lust auf Sex haben. Ich erinnere an die Geschichte mit Mullah Nasrudin, der jeden Abend zu seiner Frau kam, aber jedesmal mit einer anderen Begründung von ihr abgewiesen wurde. Mir scheint, es geht sehr vielen Männern so. Und deshalb hat die Pornoindustrie und die Prostitution solch einen Zulauf.

Die Männer sollten folgendes Wissen. Der eigentliche Sinn der Sexualität ist die Zeugung von Kindern. Frauen sind dann besonders bereit zum Sex, wenn sie Kinder bekommen möchten. Dies ist meist in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter der Fall, wenn sie Hals über Kopf verliebt sind und der Kinderwunsch besonders ausgeprägt ist. Ansonsten läßt die Lust der Frauen nach Sex eher ein wenig nach.

Die Lust auf Sex ist, außer in den Tagen vor und nach der Menstruation, meist nicht besonders groß. Kurz vor dem Eisprung, wenn die Frau die „Tage“ bekommt, kann sie allerdings sehr ausgeprägt sein. Wundert euch also nicht, wenn es euch wie Mullah Nasrudin ergeht. In den meisten Fällen sind die Frauen aus Liebe zu ihrem Mann mit ihm intim, ohne immer selbst das Verlangen nach Sex zu haben. Und wenn man immerzu bedrängt wird, ohne selber Lust zu haben, dann kann der Spaß am Sex sehr schnell vergehen. Darum bedrängt eure Frauen nicht, sondern wartet, bis sie zu euch kommen. Und dann genießt ihr Verlangen, ihre wilde unhemmte Leidenschaft, ihre „Animalität“.
Liebe ist die wahre Macht - oder nicht?
Meditation ist der Weg zu dir selbst, zu Gott
Durch Ausschweifung wird Sex zur Gewohnheit
Das eigene Ego zu verbrennen ist das wahre Opfer
Mit den Augen des Künstlers - nur Seligkeit ist wahres Leben

Durch Ausschweifung wird Sex zur Gewohnheit

Durch Ausschweifung kannst du ein bißchen Stau loswerden, genauso wie beim Niesen. Aber mehr ist es nicht. Es ist eine physische Entladung von Energie. Die Energie staut sich, du schleuderst sie heraus und baust sie wieder auf, durch Nahrung, durch Sport, durch Sonnenlicht. Du baust sie auf und verschleuderst sie wieder. Das ist es, was ein ausschweifender Mensch ständig tut: er baut viel Energie auf und dann entlädt er sie, ohne Sinn und Zweck, für einen kurzen Moment der Lust.

Weißt du, daß diese Energie dir Erleuchtung, immerwährende Glückseligkeit schenken könnte? Wenn sich die Energie aufbaut leidet der Mensch unter Spannungen. Er fühlt sich unglücklich, leidet an tausendfältigen psychosomatischen Beschwerden. Wenn er seine Energie verschleudert, fühlt er sich matt, leidet unter Schwäche, seine Lebenfreude, seine Lebenslust verlassen ihn. Er leidet nur.

Glaubt bloß nicht, daß ein ausschweifender Mensch ein glücklicher Mensch ist. Niemals! Er ist der unglücklichste Mensch der Welt. Wie kann er glücklich sein? Er hofft, er wünscht sich Freude, aber er wird immer nur enttäuscht. Die Enttäuschung aber fügt er sich selber zu, weil er so achtlos seine Energie vergeudet.

Tantra ist eine Begegnung mit den Realitäten des Lebens. Und Sex ist etwas Fundamentales, genau so wie der Tod. Das sind die beiden Basischakras (1), Muladhar (liegt am unteren Ende der Wirbelsäule, am Steißbein) und Swahistan (auch Sakralchakra oder Sexualchakra genennt). Wenn du sie verstehtst, öffnet sich das dritte Chakra. Wenn du das dritte verstehst, dann öffnet sich das vierte und so weiter und so fort. Wenn du sechs Chakras verstanden hast, berührt dieses Verständnis das siebte Chakra und es blüht als tausendblättriger Lotus auf. Dieser Tag ist ein Tag höchster Herrlichkeit. An diesem Tag kommt Gott zu dir und du kommst zu Gott. Das ist der Tag der Verschmelzung. (2)
(1) Chakras sind Energiezentren im Körper (siehe Bild 3). Vom Basischakra, dem Muladhar, welches im Becken, beim Steissbein angesiedelt ist, steigt die Kundalini über das Swadhistana, dem Sexualchakra, entlang der Wirbelsäule bis zum Scheitelchakra auf dem Kopf, dem Scheitel, hinauf. Hat die Energie das Scheitel- oder Kronenchakra erreicht, dann entspricht dies der Erleuchtung. Dieses siebenstufige Kundalinimodell ist aber nur eine symbolische Darstellung, um die unbekannten und vielfältigen physiologischen (hormonellen) Vorgänge zu erklären, sie anschaulich zu machen.

(2) Auch das Verstehen der Chakren ist symbolisch gemeint, denn in Wirklichkeit gibt es nichts zu verstehen. Und es gibt auch den Kundaliniaufstieg nicht in dieser Form. Wie gesagt, es ist eine symbolische Darstellung. In Wirklichkeit finden physilogische Prozesse statt, die einerseits auf der Sublimierung (Umwandlung) sexueller Energien beruhen und die andererseits mittels spiritueller Praktiken (Yoga, Tantra, Meditation, Zen, Autogenes Training, usw), die meist über Jahre praktiziert werden, ausgelöst werden.

Wenn man Glück hat, dann kommt irgendwann der Tag, an dem alle Sorgen, alle Ängste und aller Kummer von uns abfallen und wir eine Seligkeit erfahren, die man als göttlich empfindet. Man ist endlich bei sich selber angekommen und erlebt solch einen tiefen inneren Frieden, solch eine Ruhe und Ausgeglichenheit, solch eine Freude und Lebenslust, wie man es sich immer gewünscht hat. Alle Ängst, alle Spannungen sind verflogen. Das endlos lange Leiden hat ein Ende. Stille, Frieden und Freude kehrt in uns ein. Wir haben (symbolisch) das Reich Gotte betreten. Oder vielleicht sogar real?
Das ist der Tag des kosmischen Orgasmus. An diesem Tag umarmt das Göttliche dich, und du umarmst das Göttliche. An diesem Tag verschwindet der Fluß im Ozean für immer und ewig. Von nun an gibt es kein Zurück mehr. (3)
(3) Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, daß nicht auch der heiligste Engel wieder in die Hölle abstürzen könnte. Für jede Unvernunft zahlt man seinen Preis. So manch Heiliger mußte diese Erfahrung machen. Er büßte seine Seligkeit für ein paar Momente sinnlicher Lust ein. Der Eros läßt sich nicht so leicht überlisten. Er versteht es immer wieder uns in die Irre zu führen. Auch Adam und Eva bezahlten einen hohen Preis, weil sie wie Gott sein wollten und wurden aus dem Paradies vertrieben.
Aber auf jeder Stufe des Geistes muß man zum Verstehen gelangen. Wo immer du bist, auf welcher Stufe du auch bist, hab' keine Angst. Das ist die Botschaft des Tantra: wo immer du bist, sei nicht ängstlich. Die Angst ist das einzige, was du loslassen mußt. (4) Es gibt nur eines, wovor man sich fürchten muß: vor der Angst. Was immer die Realität ist, schaue sie dir mutig und angstfrei an. Wenn du ein Dieb bist, dann schaue dir das genau an. Wenn du ein aggressiver Mensch bist, schaue dir deine Wut genau an. Wenn du gierig bist, dann schaue es dir an. Reiße nicht aus.
(4) Auf die Angst hat der Wille, der Verstand keinen Einfluß. Angst ist das Resultat eines physiologischen Zustandes. Ändert sich die Physiologie, dann besteht die Hoffnung, die Möglichkeit, daß die Angst irgendwann verschwindet. Sie verschwindet, wenn die Ursache der Angst verschwindet. Meditation ist eine Möglichkeit heilsam auf die Physiologie einzuwirken. Aber auch Sport, Yogaübungen, eine gesunde Ernährung und andere Dinge können zur Genesung beitragen.
Wenn du deine Realität genau anschaust, gehst du schon durch sie hindurch. Du beobachtest und gehst hindurch. Wenn du den Weg in die Gier, in den Sex, in die Wut, in die Eifersucht mit offenen Augen gehen kannst, dann befreist du dich davon. Das ist das Versprechen des Tantra: Wahrheit macht frei. Wissen macht frei. Wissen ist Freiheit. Andernfalls macht es keinen Unterschied, ob du verdrängst oder ausschweifend bist - es läuft aus das gleiche hinaus.

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