Verstehst du dich selbst?

Hast du nicht oft Dinge getan, die du später bereut hast? Und von denen du sagst „Du hättest es eigentlich besser wissen müssen?“ Verstehst du nicht? Handelst du wirklich aus einem Verstehen heraus? Wenn jemand dich schlägt und du wirst wütend, wirst du dann mit Verstehen wütend? Oder nur, weil er bei dir die Knöpfe drückt?
Wenn ich an all den Unsinn denke, den ich im meinem Leben verzapft habe, dann kann ich mich nur an den Kopf fassen. Und dabei dachte ich stets, ich tue das richtige, ich sei im Recht. Hätte ich es wirklich besser gewußt, dann hätte ich sicher anders gehandelt. Es gibt immer zwei Ebenen auf der wir uns bewegen. Die eine ist die intellektuelle Ebene und die andere die emotionale. Die intellektuelle Ebene gaukelt uns vor wir seien im Recht, die emotionale Ebene aber quält uns mit psychosomatischen Leiden.

Im Endeffekt aber entscheidet die Psychosomatik über unser Handeln. Wir glauben, unser Handeln sei von Logik und Vernunft bestimmt. In Wirklichkeit aber handeln wir viel mehr aus dem Unterbewussten heraus, als wir ahnen. Das heißt, daß wir uns über die Ursachen unseres Handeln kaum bewusst sind. Wir leiden, und wir machen die Gesellschaft für unser Leiden verantwortlich. Darum fangen wir an, die Gesellschaft zu hassen, zu verachten. Und wir haben das Bedürfnis uns an der Gesellschaft zu rächen.

Diese Verhaltensmuster bestimmen unser Handeln. Die Gesellschaft ist aber gar nicht für unser Leiden verantwortlich, denn dafür sind wir ganz allein selber verantwortlich. Die Menschen wollen das aber in der Regel nicht wahrhaben. Es ist ja auch viel leichter andere für sein Leid verantwortlich zu machen, als selber nach den Ursachen zu suchen und sein Leben entsprechend zu ändern.
Weißt du, was Wut ist? Weißt du, was Liebe ist? Weißt du, was Fröhlichkeit ist? Nichts weißt du. Du kennst dich selber nicht. Du kennst deinen Verstand, dein Unbewusstes nicht. Du kennst dein inneres Sein nicht. Du weißt nichts über das Leben. Woher kommt deine Wut? Woher kommen deine psychosomatischen Beschwerden? Weißt du es? Woher kommt deine Freude? Von wo? In diesem Augenblick bist du ekstatisch, im nächsten möchtest du Selbstmord begehen.
Es ist tatsächlich so, daß wir keine Vorstellung haben, woher unsere Wut, woher unsere psychosomatischen Beschwerden kommen. Wir haben keine Ahnung. Und deshalb verstehen wir die Wut auch nicht. Wir wissen nicht, wie wir sie bekämpfen, ablegen können. Kein Psychologe, kein Psychiater kann dir sagen, wie du deine Wut, deine Angst, deine Trauer, deinen Hass, deine Drogen-, Alkohol-, Medikamenten- und Sexsucht ablegen kannst. Erst wenn du vollkommen zu dir selber gefunden hast, dann verschwinden all deine Symptome und du verstehst was Hass, Wut, Liebe und Freude ist.
An dem Tag, an dem du deinen Verstand verstehst und dein inneres Sein verstehst, verstehst du auch, was in allen anderen Köpfen vor sich geht. Dann verstehst du das innere Sein aller Wesen, denn das grundlegende Gesetz ist für alles und Alle gleich.

Wenn du deinen Ärger verstanden hast, verstehst du den Ärger aller menschenlichen Wesen, die je gelebt haben, damals heute und morgen. Wenn du deine Sexualität verstanden hast, dann verstehtst du auch den Sex. Bitte versuche nicht den anderen zu verstehen. Das ist nicht der rechte Weg. Versuche dich selber zu verstehen. Das ist der rechte Weg. Und vor allen Dingen, versuche dich selber zu heilen. Kein anderer kann diese Aufgabe für dich übernehmen. Das ist allein deine Aufgabe.

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Und dann, schon auf der Schwelle...

Auch das ist symbolisch. Du stehst immer auf der Schwelle, du wartest immer auf irgendetwas, das jetzt passieren sollte. Du stehst immer auf der Schwelle, bist deinen Sinnen verhaftet. Der Mensch steht immer auf der Schwelle und weiß nicht wie er ins Haus, in sein Inneres gelangt. Und dann diese Absurdität: du hast keine Ahnung was Liebe ist, und du willst, daß die Frau dir Sinnesfreuden verheißt.

Du verwechselst sinnliches Begehren, Verliebtheit, mit Liebe. Aber wie lange hält die Verliebtheit an? Verliebtheit richtet sich auf etwas Äußeres, auf den Menschen, in den du verliebt bist. Liebe ist etwas anderes. Liebe ist grenzenlos. Sie stellt keine Forderungen, keine Bedingungen. Sie kommt von innen und gilt allen Menschen.

Du denkst, ihre Zärtlichkeit kann dich glücklich machen. Du hast recht, das kann sie tatsächlich. Aber wie lange dauert es bis die Sehnsucht, das Verlangen, dich wieder einholt? Du verwechselst die Speisekarte mit dem Essen.

Saraha (Lehrer des tantrischen Buddhismus) sagt, daß du erst dein inneres Zentrum verläßt und dann von anderen erwartest, dir Glückseligkeit zu geben, dich lebendig zu machen, dir Freude zu verheißen, dir Gott zu zeigen. Dabei wartet Gott bereits in deinem Innern auf dich. Er wohnt in dir und du bittest andere, die ihn leugnen, die ihn nicht verstehen, dir Gott zu zeigen. Glaubst du wirklich, daß du zur Erkenntnis gelangst, wenn du auf andere Leute hörst?

Zunächst einmal: Sex ist nicht die letztmögliche Wahrheit, das letzmögliche Glück, sondern lediglich der Anfang davon, das Alpha. Sex ist nicht das Omega. Sex ist nicht die letzte Wahrheit, jedenfalls dann nicht, wenn du nicht beabsichtigst ein Kind zu zeugen.

Sex ist nicht die absolute Seligkeit, Sahasrar (1) ist weit entfernt. Wenn dein Sexzentrum sich ein wenig glücklich fühlt, dann ist das nur ein kleiner Hinweis auf die Seligkeit, die dich im Sahasrar erwartet. Je näher du dem Sahasrar kommst, desto größer das Glück.
(1) Mit Sahasrar wird auf das siebenstufige Kundalini-Modell angespielt, sieben Chakren (Energiezentren), die längs der Wirbelsäule bis hinauf zum obersten Chakra, den Kronenchakra oder Sahasrar, verlaufen. Das oberste Chakra entspricht der Erleuchtung.

Dabei stellt man sich vor, dass die Kundalini, die sexuelle Energie, mittels spiritueller Praktiken (Yoga, Tantra, Autogenes Training, Meditation, Beten, ..) vom Basischakra bis zum Sahasrar (Kronenchakra) aufsteigt. Dabei wird Sahasrar mit der Erleuchtung gleichgesetzt.
Sahasrar ist einfach unglaublich. Die Glückseligkeit ist so überwältigend, daß du mit ihr verschmilzt, mit ihr eins wirst. Dann gibt es nur noch Seligkeit. Wir sind geboren, um diese Seligkeit in jeder Minute unseres Lebens zu kosten. Wir müssen nicht auf das Paradies warten, das Paradies ist bereits in uns.

Aber wir suchen es nur immer außerhalb von uns. Die Seligkeit des Sahasrar ist so überwältigend, dass du nichts mehr sagen kannst, nichts mehr sagen möchtest. Du genießt einfach diese endlose Seligkeit und dankst Gott dafür, daß du diese Seligkeit, nach der du dich so lange gesehnt hast, erleben, genießen darfst.

Auf dem siebten Chakra bist du nur noch vibrierende Energie, vibrierende Freude, endloses Glück. Darum pass auf und halte das Echo, die Sexualität, den Orgasmus, nicht für das Wahre.

Aber das Echo vermittelt dir in der sexuellen Ekstase einen Vorgeschmack auf das, was dich im Kronenchachra, im Sahasrar, erwartet. Das Echo ist ein unsichbarer Faden der dich zur Seligkeit führen kann. Laß dich nicht von diesem Faden, dem Eros, fesseln, sondern folge ihm und fange an deine Kundalini aufsteigen zu lassen.

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