Man kann es schon gar nicht mehr „Liebe machen“ nennen... ich fühle mich mit dir ganz und gar in einem Tempel. Du bist gesegnet. Jetzt im Moment wird mir bewußt, was ich nie war, bevor ich dir begegnete. Je mehr die Liebe zum Gebet wird, desto mehr Bewusstsein wird kommen. Die Bewusstheit ist untrennbar mit der Liebe verbunden.
Wenn Bewusstheit kommt, dann kommt auch die Liebe. Wenn Liebe kommt, dann stellt sich auch Bewusstheit ein. Entweder du wächst in der Liebe oder du wächst in der Meditation. Das Ergebnis ist letzten Endes das gleiche. Beide gehen sie Hand in Hand. Du versuchst das eine und das andere kommt. Es kommt allein auf dich an: Wenn du mehr im Einklang mit der Liebe bist, dann ist Liebe dein Weg - der Weg der Hingabe, Bhakta. (1)
(1) Unter Bhakta (Bhakti) versteht man die Hingabe, die Liebe, zu Gott. Bhakti ist die höchste Liebe zu Gott, die den Menschen erfüllt und ihn zur Begierdelosigkeit führt. Um eine Vereinigung mit der Gott zu erfahren, konzentriert man sich allein auf Gott. Die Trennung von Gott wird als Schmerz erfahren. Im Hinduismus wird Samadhi [Erleuchtung] als Zustand angesehen, in dem man im Göttlichen aufgeht, während das individuellen Selbst sich auflöst.
yogavidya schreibt:
Bhakti verändert den Menschen in Göttlichkeit. Sie erfüllt den Gläubigen mit göttlicher Liebe. Sie gibt ihm ewige Befriedigung. Sie macht ihn vollkommen. Sie lenkt den Geist von Sinnesobjekten weg. Sie läßt ihn in Gott frohlocken. Emotionale Erregung ist nicht Hingabe an Gott. Hingabe ist reine Liebe. Fanatismus ist keine Hingabe. Fanatismus ist Wahnsinn. Fanatismus ist bloße Erregung. Bhakti ist nicht nur Emotionalität, sondern das Einstimmen auf das Göttliche. Bhakti ist höchste Liebe zu Gott.
Der gläubige Bhakti sollte in seinem Herzen allein das Bild seines Gottes haben. Die Hingabe zu Gott wächst, wenn man weltlichen Wünschen entsagt. Göttliche Liebe trägt kein Element des Wunsches in sich. Hingabe kann nicht neben irgendeiner Form von Wunsch bestehen, nicht einmal neben dem Wunsch nach Befreiung. Der gläubige Mensch will nur Gott allein und Ihm dienen. Der gläubige Mensch liebt Gott und dient Ihm und Seiner Schöpfung. Er bemüht sich nicht mehr bewußt um Befreiung (Erleuchtung). Aber Gott sendet dem, der an Ihn glaubt, unaufgefordert Befreiung.
Wie kann man Hingabe lernen?
Manche Menschen fragen: „Wie können wir Gott lieben, den wir nie gesehen haben?“ Lebe in der Gesellschaft von Heiligen. Höre die Lilas (Geschichten der Spiele) Gottes. Lies die heiligen Schriften. Verehre Ihn zuerst in Seinen verschiedenen Formen, die in der Welt (in der Natur) offenbar sind. Verehre jedes Bild von Gott oder dem Guru. Wiederhole Seinen Namen. Singe Seinen Ruhm. Besuche Ashrams (Yogazentren) und Tempel. So kannst du Liebe zu Gott entwickeln.
Alles muß getan werden, um das Gefühl von Bhakti zu erwecken. Baue einen Altar in Deinem Zimmer auf. Halte ihn sauber. Schmücke ihn mit Blumen, Pflanzen, Statuen, Bildern, Symbolen. Brenne Räucherwerk ab. Zünde eine Öl-Lampe an. Trage eine Rudrasksha- oder Tulsimala (Halskette). All das wirkt günstig auf den Geist und erhebt ihn. All das erzeugt Hingabe. Es hilft, das nötige Gefühl zu erzeugen, um die Gottheit, die verehrt werden soll, anzurufen. Der Geist wird sich dann leichter konzentrieren.
Die Praxis rechten Verhaltens, von Satsang (das Zusammensein mit Heiligen, Weisen und Erleuchteten), Japa (Wiederholung eines Mantras), Smarana (Erinnern an Gott), Kirtan (Mantra-Singen), Gebet, Gottesdienst und Rituale, der Dienst an Heiligen, der Aufenthalt an Wallfahrtsorten, der Dienst an Armen und Kranken mit göttlichem Bhava (Gefühl, Hingabe).Wenn du mehr im Einklang mit deiner Bewusstheit bist, dann gehe den Weg der Meditation und des Dhyana (das beständige Fließen, die permanente Konzentration, auf einen Konzentrationspunkt). Das sind im Grunde die beiden einzigen Wege. Alle anderen Wege sind Kombinationen dieser beiden Wege. Wenn die Liebe wächst, wirst du dabei in jedem Augenblick bewusster. Je höher sie geht, desto tiefer wird deine Einsicht in die Dinge sein. Wenn ein bewusster Moment von Zeit zu Zeit kommt, wenn die Liebe nicht mehr Liebe ist, sondern zum Gebet wird, dann bist du in einem tantrischen Moment.
Die Einhaltung der Pflichten des täglichen Lebens, das Opfern aller Handlungen und deren Früchte an Gott, das Gefühl der Gegenwart Gottes in allen Wesen, das Verneigen vor dem Bild und von Heiligen, der Verzicht auf weltliche Freuden und weltlichen Reichtum, Wohltätigkeit, Mäßigung und Gelübde (Schweigen, Keuschheit), das Praktizieren von Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satyam (vegetarische Ernährung) und Brahmacharya (Keuschheit, Zölibat) - all das wird Dir helfen, Bhakti zu entwickeln. (2)
(2) Der Weg katholischer und buddhistischer Priester, Mönche und Nonnen ist im Prinzip ein bhaktischer Weg. Ihr Leben ist vollkommen auf Gott ausgerichtet (auch wenn im Bhuddhismus nicht von einem personalisierten Gott ausgegangen wird). Sie praktizieren alle das Zölibat, lesen in den Heiligen Schriften, nehmen an Wallfahrten teil, verzichten auf weltlichen Reichtum, praktizieren Gewaltlosigkeit (Liebe deinen Nächsten wie dich selbst) und helfen den Armen und Kranken.
Der bhaktische Weg ist aber auch ein meditativer Weg. Das tausendfache Wiederholen eines Mantras oder Gebetes entspricht einer Mantra-Meditation. Ähnliches gilt für lithurgische Gesänge. Sie führen unweigerlich in einen meditativen Zustand, in dem man das Gefühl hat Gott nahe zu sein, womöglich auch mit ihm eins zu sein (Unio Mystica).
In der christlichen Spiritualität hat die christliche Meditation immer schon eine große Bedeutung. Das Jesusgebet, welches auch Herzensgebet oder immerwährendes Gebet genannt wird, ist ein besonders in der (byzantinisch-) orthodoxen Kirche weit verbreitetes Gebet, bei dem ununterbrochen der Name „Jesu Christi“ angerufen wird. Damit soll der Aufforderung „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17) des Apostel Paulus genüge getan werden. Im Hesychasmus (griechischen Eremitentum) und anderen Meditationsformen der Ostkirchen nimmt dieses Gebet eine zentrale Stellung ein, ebenso in der Spiritualität der Karthäuser-Mönche (in Grenoble, Frankreich).
Entscheidend bei der Meditation ist die Konzentration. Dabei ist es egal, ob man sich auf die Atmung, auf das „Dritte Auge“ (Stirnchakra), auf ein Mantra oder Jesusgebet, auf die Körperschwere oder den Herzschlag, (Autogenes Training), auf ein Koan (Frage eines Zenmeisters), die Leere, das Nichts oder das Nicht-Denken im Zen-Buddhismus oder auf Gott, Jesus, Maria oder einen Heiligen konzentriert. „Den Weg zu studieren heißt sich selbst zu studieren, sich selbst zu studieren heißt sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet eins zu werden mit allen Existenzen.“
Bei all diesen meditativen Praktiken laufen im Gehirn dieselben physiologischen Prozesse ab. Es werden körpereigene Drogen aktiviert. Man greift aktiv in den Hormonhaushalt ein. Beherrscht man die Meditation perfekt, dann werden laufend körpereigene Drogen ausgeschüttet, die einen euphorischen bzw. ekstatischen Zustand hervorrufen, den manche als Glückseligkeit bzw. Samadhi oder Erleuchtung bezeichnen. Man hat das Gefühl eins mit Gott zu sein. Auch das Spielen eines Musikinstruments, das Malen eines Bildes, Stricken, das Lesen eines Buches, Tanzen oder Singen, das Zusammensein mit einem geliebten Menschen; in Prinzip kann jede Tätigkeit einen meditativen Charakter annehmen, kann zum Gebet werden.
Mögen die tantrischen Augenblicke noch so selten sein und noch so klein, so sind sie doch kostbare Momente, kostbare Edelsteine, funkelnde Einblicke in das, was auf dich wartet. Behalte diese Momente einfach im Auge. Der eine Augenblick ereignet sich heute und der nächste vielleicht erst in einem Jahr. Mache dir deshalb keine Sorgen. Laß deine Augen sich von diesem auf den nächsten Moment richten. Bald wirst du nicht mehr so oft zurückfallen. Und schon bald wirst du überhaupt nicht mehr zurückfallen. Es gibt keinen Grund sich schuldig zu fühlen, wenn du zurückfällst. Es ist natürlich, akzeptiere es. Aber resigniere nicht. Beharrlichkeit führt zum Ziel.
Freiheit ist der einzige Weg zu Gott
Der Körper hat seine eigene Weisheit
Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)

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