(1) Der Punkt ist nur der, daß wir nicht intelligent auf unser Leben schauen, und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit vielen, vielen Jahren nicht. Da wir es verlernt haben, intelligent zu leben, ist auch unser Leben nicht meditativ. Und weil unser Leben nicht meditativ ist, sind wir an Leib und Seele (psychosomatisch) erkrankt. Um sich von dieser Erkrankung zu befreien, sollten wir beides tun. Wir sollten meditieren und lernen intelligent zu leben.Gestern warst du wütend, vorgestern warst du wütend. Nun stehst du wieder vor der gleichen Situation und gleich wirst du wieder wütend werden. Was machst du dann? Wiederholst du dich, unintelligent, mechanisch? Oder richtest du deine Intelligenz darauf? Du warst schon tausendmal wütend, kannst du nicht etwas daraus lernen? Kannst du dich nicht dieses Mal intelligent verhalten? Kannst du nicht sehen, wie nutzlos deine Wut ist? Kannst du nicht sehen, daß es dir jedesmal nur Frust eingebracht hat? Jedesmal war deine Wut reine Energieverschwendung, aber letztlich hat sich nichts geändert. (2)
Ich stimme nicht damit überein, daß Meditation sich nicht machen läßt. Ich würde dabei zwischen der Meditation als komtemplative Entspannungsmethode und einem meditativen Leben unterscheiden. Letzteres und vielleicht auch ersteres müssen wir vielleicht noch lernen. Tägliche Meditation wird uns helfen auch das Leben meditativ zu gestalten.
(2) Ich glaube nicht, daß die Intelligenz hilft, die Wut zu beseitigen. Jedenfalls funktioniert das nicht bei mir. Ich kann die Wut zwar unterdrücken und sie äußerlich nicht zeigen, trotzdem tobt die Wut weiter in mir. An der Ursache meiner Wut hat sich nichts verändert. Ich erspare mir villeicht einige Unannehmlichkeiten, denn wer weiß, was man in seiner Wut so alles sagt und tut, aber ich fürchte, der nächste Wutanfall ist dafür doppelt so schlimm.Wenn du das erkennst, dann bedeutet diese Erkenntnis Intelligenz. Wenn dich dann jemand beleidigt, gibt es keine Wut mehr. Tatsächlich wirst du mit diesem Menschen statt Wut Mitleid empfinden. Er ist wütend, er ist verletzt, er leidet, nur darum schreit er dir seine Wut entgegen, und du empfindest Mitleid mit ihm. Das ist Intelligenz, Meditation: in sein eigenes Leben hineinschauen, aus Erfahrung lernen, aus existentiellen Erfahrungen lernen, immer mehr lernen. (3)
Wut läßt sich nur sehr langfristig beseitigen. Der spirituelle Weg ist meines Wissens der einzige Weg, der in der Lage ist, die Wut zu beseitigen. Selbst der therapeutische Weg allein ist dazu wahrscheinlich nicht in der Lage. Wut ist Ausdruck einer psychosomatischen Erkrankung. Wut ist ein Ausdruck unbewältigter Angst. Erst wenn man psychosomatisch genesen ist, klingt auch die Wut ab. Sie bricht nicht mehr aus uns heraus, weil der spirituelle Weg einer bioenergetischen Genesung (Heilung) entspricht.
Wut resultiert meiner Meinung nach aus einer tiefsitzenden emotionalen Verletzung oder aus einem Trauma, welchen man irgendwann einmal in seinem Leben erfahren hat. Diese Erfahrung speichert sich im Gehirn. Jedesmal wenn man in eine als bedrohlich empfundene Situation gerät, schüttet der Körper Hormone aus, um der Bedrohung zu begegnen.
Die häufigste Form der Wut resultiert aber nicht aus einem Trauma, sondern aus einem sexuellen Suchtverhalten, welches tief in unsere Physiologie eingreift und zu psychosomatischen Erkrankungen führt, die sich nur sehr schwer therapieren lassen. Einmal sexsüchtig - immer sexsüchtig. So ist es jedenfalls bei den meisten Männern. Was ich damit meine, möchte ich einmal mit den Worten eines buddhistischen Möches zu erklären versuchen.
Buddha lehrte, solange der Mensch sexuell aktiv ist, hat er kein Interesse an der Praxis des spirituellen Lebens. In seiner Lehre über die schrittweise Erleuchtung sagte er, dass das Empfinden von Lust und Sexualität Genuss beinhaltet. Er verleugnete den Genuss nicht. Genuss ist dabei. Aber dann verändert sich dieses Vergnügen in Missvergnügen, und allmählich, langsam, sobald sich das anfängliche Feuer der Lust abgenutzt hat, beginnen die Menschen zu kämpfen.
Denn aus Lust erwächst Furcht; aus Lust erwächst Habgier; aus Lust erwachsen Eifersucht, Zorn, Hass, Verwirrung und Kampf; all diese negativen Dinge erwachsen aus der Lust. Und deshalb sind all diese negativen Dinge in der Lust enthalten. Solange man in der Sexualität verstrickt ist, ist es unvermeidlich, dass man diese Probleme hast - Kampf, Enttäuschung, Zorn, Hass, Töten - all das ist damit verbunden. (Jesus lehrte übrigens im Prinzip dasselbe.)
(3) Es gibt tatsächlich einen Zustand, an dem man keine Wut mehr empfindet. Sie hat sich vollkommen aufgelöst. Das ist ein wunderbarer Zustand, weil man für keine emotionale Verletzung mehr empfänglich ist. Der andere schäumt vor Wut, aber es berührt dich nicht. Und dann geschieht genau das, was oben gesagt wurde. Man befindet sich in der Rolle eines neutralen Beobachters, der sieht, wie wütend der andere ist.Intelligenz ist ein unveräußerlicher Teil des Lebens, eine natürliche Eigenschaft des Lebens. So wie das Feuer heiß ist, die Luft unsichtbar und das Wasser bergab fließt, so ist das Leben intelligent.
Man beobachtet es einfach ohne zu werten. Das Werten beruht immer auf eigene Empfindlichkeit, auf eigene Verletztlichkeit. Ist diese aber nicht vorhanden, dann gibt es keine emotionale Verletzung und demzufolge auch keine Gegenreaktion. Man bleibt ruhig, gelassen und entspannt und sieht wie der andere leidet. Man ist sogar in der Lage lachend auf den anderen zuzugehen, ihn in den Arm zu nehmen und ihn zu trösten. Und im Nu ist seine Wut verflogen.
Intelligenz ist keine Errungenschaft; du wirst bereits intelligent geboren. Bäume sind auf ihre eigene Art intelligent. Sie haben genügend Intelligenz ihr eigenes Leben zu meistern. Vögel sind intelligent. Alle Tiere sind intelligent. Was die Religionen „Gott“ nennen, ist genau dies: dass das Universum intelligent ist, daß in allem Intelligenz verborgen ist. Und wenn du genau hinschaust, kannst du sie überall erkennen. (4)
(4) Ich würde sagen, nicht alle Kinder werden intelligent geboren. Die Erbanlagen (Gene) der Eltern spielen schon eine große Rolle. Und auch nicht alle Tiere sind intelligent. Wenn ich Fliegen beobachte, die es nicht schaffen, sich aus einem Treppenhaus zu befreien, obwohl die Fenster „auf Kipp“ stehen, und später tot auf der Fensterbank liegen, dann erscheint mir dies nicht besonders intelligent zu sein.Leben ist Intelligenz. Nur der Mensch ist unintelligent geworden. Der Mensch hat den natürlichen Lauf der Dinge verlassen. Nur der Mensch ist dumm. Hast du jemals einen Vogel gesehen, den man dumm nennen könnte? Hast du jemals ein Tier gesehen, daß man idiotisch nennen könnte? Nein, das passiert nur dem Menschen. Etwas ist schiefgelaufen. Die Intelligenz des Menschen ist beschädigt, verdorben, verkrüppelt worden. (5)
(5) Das Problem besteht darin, daß der Mensch sich durch die sogenannte Zivilisation aus dem natürlichen Kreislauf des Lebens entfernt hat. Das hat zwar viele Vorteile, weil ihm die Zivilisation eine gewisse Sicherheit verliehen hat, aber gleichzeitig verlor er das an die Natur angepasste Leben. Er lebte nicht mehr mit der Natur in Einklang. Diese Gefahr ist bei wild lebenden Tieren natürlich nicht vorhanden. Sie vertrauen auf ihre Instinkte.Meditation bedeutet nichts anderes, als diesen Schaden wieder rückgängig zu machen. Meditation wäre überhaupt nicht notwendig, wenn man den Menschen in Ruhe ließe. Wenn die Priester und Politiker die Intelligenz des Menschen respektieren würden, gäbe es keinen Grund zu meditieren. Meditation ist Arznei. (6)
(6) Ich habe nicht das Gefühl, daß die Menschen besonders intelligent sind. Ich habe eher das Gefühl, daß durch die Zivilisation, durch den Luxus, den Wohlstand, in dem wir heute leben, die Intelligenz ziemlich auf der Strecke geblieben ist. Der Wohlstand und die relativ lange Friedenszeit in der wir heute leben, hat die Menschen unvorsichtig, übermütig, verantwortungslos und egoistisch werden lassen. Sie haben die Antennen, den Instinkt für Gefahren, der bei allen wild lebenden Tieren vorhanden ist, verloren.Erst wird die Krankheit künstlich erzeugt, dann braucht man Meditation. Wo es keine Krankheit gibt, braucht man auch keine Meditation. Es ist kein Zufall, daß die Worte „Medizin“ und „Meditation“ dieselbe Wurzel haben. Meditation ist Medizin. (7)
Ich glaube auch nicht, daß die Politiker und Priester dafür verantwortlich sind, daß die Menschen heute oft so unintelligent sind. Egal, wer für unsere Dummheit verantwortlich ist, nur wir selber können sie beseitigen.
(7) Die Krankheit wird nicht künstlich erzeugt, dafür sind auch nicht die Politiker und Priester verantwortlich, sondern meistens wir selber. Wir selber sorgen für die Unvernunft. Wir selber können beim Essen, beim Alkohol, bei Drogen und Tabletten kein Maß halten. Wir selber rennen pausenlos dem Sex hinterher. Wir sind ganz allein für unser Leid, für unser Unglücklichsein verantwortlich. Und nur wir selber können uns davon befreien.Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)
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