Dein Image ist sehr vieldeutig. Du weißt nicht genau, wer du bist
und
was du bist. Du bist eine Mischung von allem möglichen. Du hast
noch
keine Seele. Du hast noch keine Individualität, du hast noch kein
kristallisiertes Zentrum. Du bist nur der Müllplatz für die
Meinungen
anderer Leute. Du trottest wie das Schaf in der Herde und passt dich
deinen Mitmenschen an.
Deshalb hast du Angst. Wenn sich die Meinungen
der anderen ändern, änderst du auch deine Meinung. Du
glaubst, du
hättest eine eigene Meinung, aber du bemerkst nicht einmal wie du
von
anderen manipuliert wirst. Du bist in ihrer Gewalt ohne es zu merken.
Genau ist der Trick, mit dem die Gesellschaft seit jeher arbeitet.
Die Gesellschaft hat eine Methode: sie macht dich scharf auf
gesellschaftliches Ansehen, auf gesellschaftlichen Ruhm und
Anerkennung. Damit manipuliert sie dich. Wenn du die Spielregeln der
Gesellschaft immer achtsam und gehorsam befolgst, dann achtet sie dich.
Wenn du die Spielregeln der Gesellschaft nicht befolgst, dann macht sie
dich fertig, fügt dir schweren Schaden zu. Die Spielregeln der
Gesellschaft zu befolgen heißt, deine eigene Meinung, deine
Wünsche,
deine Sehnsüchte zu unterdrücken, Sklave zu sein.
Die Gesellschaft zollt dir großen Respekt dafür, Sklave zu
sein. Wenn
du aber ein freier Mensch sein möchtest, wenn du deinem Unbehagen,
deiner Unzufriedenheit Ausdruck verleihen möchtest, dann
schäumt die
Gesellschaft vor Wut, sie möchte nichts mehr mit dir zu tun haben.
Sie
stellt dich an den öffentlichen Pranger und versucht dich zu
vernichten.
Ein wirklich freier Mensch zu sein ist sehr schwer. Ich sage euch aus
eigener Erfahrung, es ist fast unmöglich, denn die Gesellschaft
will
keine freien Menschen. Der freie Mensch ist eine Gefahr für die
Existenz der Gesellschaft, denn der freie Mensch hat keine Angst die
Wahrheit zu sagen. Nichts fürchtet die Gesellschaft mehr als die
Wahrheit.
Die Gesellschaft bevorzugt Menschen ohne eine eigene Meinung,
Zombies, Roboter, Menschen, die auf Anhieb bereit sind im
Gänsemarsch
zu marschieren. Brülle nur laut genug „Stillgestanden“ und schon
stehen
sie stramm, rein mechanisch, die Hände an der Hosennaht. Sie haben
keine eigenen Meinung, stellen keine Fragen, sie sind Nachäffer.
Die Gesellschaft belohnt sie reich. Sie zollt ihnen Respekt, sie gibt
ihnen Preise, Titel, Ehrungen. Das ist der Trick. Und sie
überträgt
ihnen, wenn sie den Untertanengeist verinnerlicht haben, Verantwortung
über andere Menschen. Freie Menschen haben von ihr keine Titel und
keine Ehrungen zu erwarten. Wie könnte die Gesellschaft sie auch
ehren,
schließlich sind sie ihre Feinde.
In einer unfreien Gesellschaft ist der freie Mensch der Feind. In einer
unmoralischen Gesellschaft ist der moralische Mensch der Feind. In
einer religionsfeindlichen Gesellschaft ist der religiöse Mensch
der
Feind. In einer materiellen Gesellschaft ist der spirituelle Mensch der
Feind. Der freie Mensch passt nirgendwo hin.
Damit du dich anpasst, gibt dir die Gesellschaft so viel wie du haben
willst. Du kannst alles haben, was du möchtest, solange du dich an
die
vorgegebenen Spielregeln hälst. Sie gibt dir ein Ansehen, ein
gutes
Image, einen guten Ruf, sie stützt dich und sie beschüzt
dich, wo sie
kann.
Aber wenn du nicht auf sie hörst, überlegt sie es sich
anders.
Sie kann dich innerhalb kurzer Zeit vernichten. Dann verlierst du
alles, deinen guten Ruf, dein Ansehen, deine finanzielle Basis, deine
Existenz und am Ende noch dein Vermögen, dein Haus, deine
Gesundheit,
deine Freunde und deine Familie.
Freiheit ist schwer. Merke es dir, denn die Gesellschaft besteht aus
Sklaven. Freiheit ist schwer, aber Freiheit ist die einzige Freude, die
es gibt. Freiheit ist der einzige Tanz, den es gibt. Freiheit ist das
einzige Tor zu Gott. Ein Sklave kann niemals zu Gott gelangen, niemals.
Der Körper hat seine eigene Weisheit
Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)
Der Körper hat seine eigene Weisheit
Fragen an Osho: Was für eine Altagsroutine oder Disziplin hat dein Sannyasin?
Du willst wissen, wie die Altagsroutine meines Sannyasins aussieht. Die Frage stammt nicht von meinem Sannyasin. Wie könnte irgendwer mein Sannyasin sein? Er oder sie wird einfach nur ein Sannyasin sein. Und wie sieht seine Altagsroutine oder sein Tagesablauf oder seine Disziplin aus? Würden wir einem Sannyasin eine rigide Altagsroutine aufzwingen, würde sie ihm zwangsläufig schaden, statt ihm gutzutun. Jemand fragte einen Zen-Weisen: „Wie sieht deine Altagsroutine aus?”
Der Weise erwiderte: „Wenn ich müde bin, schlafe ich, wenn ich aufwache, bin ich wach. Wenn ich hungrig bin, esse ich, und wenn ich nicht hungrig bin, esse ich nicht.“ Und recht hat er! Ein Sannyasin ist jemand, der sich nichts aufzwingt, der das Leben so nimmt, wie es ist, und ganz natürlich und spontan von Moment zu Moment lebt. Wir sind seltsame Leute: Wenn wir schlafen möchten, sträuben wir uns dagegen, und wenn wir nicht schlafen können, singen wir Mantras oder versuchen sonst irgendwie einzuschlafen. Wir essen, ohne Hunger zu haben, nur weil sich unsere Essenszeiten nach der Uhr zu richten haben. Auf die Art und Weise machen wir die innere Harmonie unseres Körpers kaputt. Und darum sind wir in einem sochen Schlamassel.
Ein Sannyasin lebt gemäß der Weisheit seines Körpers. Er geht ins Bett, wenn er müde ist, und wacht auf, wenn er ausgeschlafen hat. Er wird nicht zu dem Zeitpunkt aufwachen, den die Hindus brahmamuhurta, die Stunde Gottes nennen, eine Stunde vor Sonnenaufgang. Wann immer er die Augen aufschlägt, findet sein Brahmamuhurta statt. Er wird sagen, wenn Gott mich aufweckt, nenne ich das mein Brahmamuhurta.
Kurz, er lebt natürlich, ungezwungen, spontan. Das ist der Grund, warum ich euch keine Routine, keine Lebensdisziplin vorschreibe. Würde ich es nämlich tun, brächte ich euch nur in Schwierigkeiten, ich würde alles so festlegen, wie es mir in den Kram passt, und mein Leben ist halt nicht euer Leben. Mag sein, dass es mich selig macht, jeden Morgen um drei aufzuwachen, aber wenn ich das auch von euch verlange, richte ich damit eure Gesundheit zugrunde.
Jeder hat seine eigene, unverwechsebare Körperlichkeit, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Es heißt, moderne Frauen seien sehr faul, und weil sie zu lange schliefen, müssten ihnen ihre Männer den Morgentee machen. Aber so sollte es auch sein! Der innere Organismus der Frau ist dergestalt, dass ihre Körperuhr verglichen mit der des Mannes zwei Stunden nachgeht. Wenn ein Mann um fünf Uhr früh aufsteht, sollte eine Frau erst um sieben Uhr aufstehen.
Man hat in dieser Hinsicht viel geforscht – mit überraschenden Ergebnissen. Offenbar sinkt unsere Körpertemperatur alle vierundzwanzig Stunden zwei Stunden lang, und zwar gewöhnlich vor der Morgendämmerung. Vieleicht habt ihr ja schon bemerkt, dass ihr ungefähr gegen vier Uhr morgens meist etwas fröstelt. Das liegt daran, dass eure Körpertemperatur sinkt und nicht etwa an einem Wetterumschlag. Und wann genau die Körpertemperatur sinkt, ist von Person zu Person verschieden. Wenn das bei mir zwischen drei und fünf der Fall ist, mag es bei jemand anders zwischen fünf und sieben so sein. Und genau in diesen zwei Stunden niedriger Körpertemperatur versinkt man jeden Tag im Tiefschlaf.
In Amerika hat man während der letzten fünf Jahre den Schlaf von zehntausend Menschen genau untersucht, und es hat sich herausgestellt, dass diese Phase des Tiefschlafs bei jedem anders ist. Man kann also nicht kolektiv festlegen, wann alle zu Bett gehen und wieder aufstehen sollen. So muss also jeder selbst herausfinden, zu wechen Zeiten er am besten schlafen und sich ausruhen kann. Das Entscheidende ist, so gut zu schlafen, dass man den ganzen nächsten Tag wieder frisch und munter verbringen kann.
Selbst also die Dauer des eigenen Schlafs muss jeder selbst entscheiden. Wenn für den einen fünf Stunden Schlaf reichen mögen, braucht ein anderer vieleicht sieben Stunden Schlaf täglich. Und es gibt sogar welche, die unbeschadet mit drei Stunden Schlaf auskommen. Aber wer schon mit drei Stunden auskommt, kann sich für andere als gefährlich entpuppen. Er wird sich für besonders fromm halten und alle, die länger schlafen als er, als Faupelze und Nichtsnutze beschimpfen. Er wird ihnen predigen, dass man am besten um drei Uhr aufsteht, und wird alle, die sich nicht an diese Vorschrift halten, in die Hölle schicken. Hütet euch vor sochen Leuten!
Für dergleichen Dinge kann es keine unerschütterlichen Regeln für alle geben. Wir dürfen nicht festlegen, wie jeder sich anzuziehen hat, was er zu essen hat und von wann bis wann er zu schlafen hat. Man kann sich zwar ganz algemein darüber unterhalten, aber feste Regeln aufzustellen, das wäre unangemessen. Jeder muss sein Leben selber auf die Reihe kriegen, da hat ihm niemand dreinzureden. Und so viel Freiheit müsst ihr haben, dass ihr selber darüber entscheidet, wie ihr leben wollt. Andere mögen es nicht so halten, doch ein Sannyasin sollte es. Er sollte auf seiner Freiheit bestehen so zu sein, wie er ist, und so zu leben, dass es ihn froh und glücklich macht. Dabei muss er aber auch darauf achten, nicht so zu leben, dass er die Freiheit und das Glück anderer beeinträchtigt. Und dies genügt schon.
Ich wiederhole: Wir können uns gern ganz algemein darüber unterhalten, ob ein Sannyasin eine Altagsroutine und eine Disziplin braucht, aber hierzu strikte Regeln festlegen können wir nicht. Nehmt z.B. einen Zwangsraucher: Er hat die ganze Welt gegen sich, und doch raucht er weiter. Die Ärzte halten ihm vor, dass das Rauchen seine Gesundheit ruinieren wird, er aber sagt, er wisse das, aber er könne es nicht lassen.
Was ist mit ihm los? Fehlt ihm etwa etwas, das er unbedingt braucht und als Raucher bekommt? Eine mexikanische Feldstudie zum Thema Rauchen ergab seltsamerweise, dass Rauchsüchtige unter Nikotinmangel leiden, den sie durch Tabak, Tee und Kaffee beheben wollen. Dabei wird das Rauchen als etwas Unmoralisches verdammt. Aber was soll daran unmoralisch sein, Rauch ein– und auszuatmen?
Das ist zwar sinnlos, aber doch nicht unmoralisch! Er schädigt damit doch lediglich sich selber. Rauchen ist eine unschudige Dummheit und weiter nichts. Vieleicht braucht er das; vieleicht fehlt ihm etwas, das er durchs Rauchen befriedigt. Dann sollte er besser herausfinden und erkennen, was sein Problem ist. Unsere Kenntnis des menschlichen Körpers ist sehr beschränkt. Sie ist trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte in der Medizin beschränkt. Wir haben den Körper mit seinen Bedürfnissen und Problemen längst noch nicht gründlich verstanden.
Und weil das so ist, muss der Körper mit seinen Problemen selber fertigwerden. Wenn ihm Nikotin fehlt, fängt man an zu rauchen. Und wenn man erst einmal anfängt zu rauchen, ist man hilflos den Klauen der Gewohnheit ausgeliefert. Die meisten rauchen ja nicht aufgrund von Nikotinmangel, viemehr verfallen neun von zehn Betroffenen dem Rauchen aufgrund von Nachahmung. Und kaum rauchen sie automatisch, werden sie zu Sklaven einer Gewohnheit.
Jedenfalls darf keine Routine, keine Disziplin von außen aufgezwungen werden. Sannyasins einen algemeinen Verhaltens-Code vorzuschreiben, also wann sie aufzustehen und wann sie zu essen haben, ist weder möglich noch wünschenswert. Freilich kann man ein paar algemeine Empfehlungen aussprechen. Das Wesentliche aber ist, dass ein Sannyasin alles, was er tut, mit Bewusstheit tut, dass er bei all seinem Tun und Lassen sein eigenes Wohl und das Wohl anderer im Auge behält. Und was immer er auch tut – richtig ist es dann, wenn es seine Gesundheit, seinen Frieden und sein Glück fördert. Und wenn es andererseits seiner Gesundheit und seinem Glück schadet, sollte er die Finger davon lassen.
Was das Essen betrifft, sollte er auf eine frische, leichte und gesunde Kost achten; er sollte beim Essen unnötige Gewalt vermeiden; er sollte nichts essen, was durch die Schlachtung oder Verstümmelung von Lebewesen hergestellt wird. Kurz, Gesundheit sollte bei der Auswahl der Lebensmittel den Ausschlag geben. Noch etwas Wichtiges bezüglich Ernährung: Man muss lernen, einen Sinn dafür zu entwickeln, wie das Essen schmeckt. Und da kommt es mehr auf die Kunst zu essen an als auf die Speise selbst. Auf der Grundlage dieser ungefähren Hinweise zur Ernährung sollte man sich sein Menü je nach eigenem Geschmack entwerfen.
Andere können dir keine Disziplin vorschreiben, das ist einfach absurd. Tatsächlich ist jeder der Baumeister seines eigenen Schicksals. Wer sich in Sannyas einweihen lässt, erklärt damit, dass er selber über sein Leben zu entscheiden wünscht, dass er das Recht hat, selber das Steuer in die Hand zu nehmen. Man mag einwenden, dass ein Sannyasin Gefahr laufe sich zu irren, wenn er seine eigenen Entscheidungen trifft.
Soll er sich irren … er wird für seine Fehler büßen. Aber was geht dich das an? Wenn er alles richtig macht, wird er froh sein, und wenn er alles falsch macht, wird er leiden. Es gehört sich nicht, in das, was andere tun und warum sie es tun, seine Nase zu stecken. Ja, es ist geradezu unmoralisch, sich in das Leben eines anderen einzumischen. Was fällt dir ein, dich ihm in den Weg zu stellen? Man darf sich einem anderen nur dann in den Weg stellen, wenn seine Fehler anfangen anderen zu schaden; andernfalls muss man ihn in Ruhe lassen. Mag er Fehler machen, und aus seinen Fehlern lernen!
Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)
Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit
Du willst wissen, wie die Altagsroutine meines Sannyasins aussieht. Die Frage stammt nicht von meinem Sannyasin. Wie könnte irgendwer mein Sannyasin sein? Er oder sie wird einfach nur ein Sannyasin sein. Und wie sieht seine Altagsroutine oder sein Tagesablauf oder seine Disziplin aus? Würden wir einem Sannyasin eine rigide Altagsroutine aufzwingen, würde sie ihm zwangsläufig schaden, statt ihm gutzutun. Jemand fragte einen Zen-Weisen: „Wie sieht deine Altagsroutine aus?”
Der Weise erwiderte: „Wenn ich müde bin, schlafe ich, wenn ich aufwache, bin ich wach. Wenn ich hungrig bin, esse ich, und wenn ich nicht hungrig bin, esse ich nicht.“ Und recht hat er! Ein Sannyasin ist jemand, der sich nichts aufzwingt, der das Leben so nimmt, wie es ist, und ganz natürlich und spontan von Moment zu Moment lebt. Wir sind seltsame Leute: Wenn wir schlafen möchten, sträuben wir uns dagegen, und wenn wir nicht schlafen können, singen wir Mantras oder versuchen sonst irgendwie einzuschlafen. Wir essen, ohne Hunger zu haben, nur weil sich unsere Essenszeiten nach der Uhr zu richten haben. Auf die Art und Weise machen wir die innere Harmonie unseres Körpers kaputt. Und darum sind wir in einem sochen Schlamassel.
Ein Sannyasin lebt gemäß der Weisheit seines Körpers. Er geht ins Bett, wenn er müde ist, und wacht auf, wenn er ausgeschlafen hat. Er wird nicht zu dem Zeitpunkt aufwachen, den die Hindus brahmamuhurta, die Stunde Gottes nennen, eine Stunde vor Sonnenaufgang. Wann immer er die Augen aufschlägt, findet sein Brahmamuhurta statt. Er wird sagen, wenn Gott mich aufweckt, nenne ich das mein Brahmamuhurta.
Kurz, er lebt natürlich, ungezwungen, spontan. Das ist der Grund, warum ich euch keine Routine, keine Lebensdisziplin vorschreibe. Würde ich es nämlich tun, brächte ich euch nur in Schwierigkeiten, ich würde alles so festlegen, wie es mir in den Kram passt, und mein Leben ist halt nicht euer Leben. Mag sein, dass es mich selig macht, jeden Morgen um drei aufzuwachen, aber wenn ich das auch von euch verlange, richte ich damit eure Gesundheit zugrunde.
Jeder hat seine eigene, unverwechsebare Körperlichkeit, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Es heißt, moderne Frauen seien sehr faul, und weil sie zu lange schliefen, müssten ihnen ihre Männer den Morgentee machen. Aber so sollte es auch sein! Der innere Organismus der Frau ist dergestalt, dass ihre Körperuhr verglichen mit der des Mannes zwei Stunden nachgeht. Wenn ein Mann um fünf Uhr früh aufsteht, sollte eine Frau erst um sieben Uhr aufstehen.
Man hat in dieser Hinsicht viel geforscht – mit überraschenden Ergebnissen. Offenbar sinkt unsere Körpertemperatur alle vierundzwanzig Stunden zwei Stunden lang, und zwar gewöhnlich vor der Morgendämmerung. Vieleicht habt ihr ja schon bemerkt, dass ihr ungefähr gegen vier Uhr morgens meist etwas fröstelt. Das liegt daran, dass eure Körpertemperatur sinkt und nicht etwa an einem Wetterumschlag. Und wann genau die Körpertemperatur sinkt, ist von Person zu Person verschieden. Wenn das bei mir zwischen drei und fünf der Fall ist, mag es bei jemand anders zwischen fünf und sieben so sein. Und genau in diesen zwei Stunden niedriger Körpertemperatur versinkt man jeden Tag im Tiefschlaf.
In Amerika hat man während der letzten fünf Jahre den Schlaf von zehntausend Menschen genau untersucht, und es hat sich herausgestellt, dass diese Phase des Tiefschlafs bei jedem anders ist. Man kann also nicht kolektiv festlegen, wann alle zu Bett gehen und wieder aufstehen sollen. So muss also jeder selbst herausfinden, zu wechen Zeiten er am besten schlafen und sich ausruhen kann. Das Entscheidende ist, so gut zu schlafen, dass man den ganzen nächsten Tag wieder frisch und munter verbringen kann.
Selbst also die Dauer des eigenen Schlafs muss jeder selbst entscheiden. Wenn für den einen fünf Stunden Schlaf reichen mögen, braucht ein anderer vieleicht sieben Stunden Schlaf täglich. Und es gibt sogar welche, die unbeschadet mit drei Stunden Schlaf auskommen. Aber wer schon mit drei Stunden auskommt, kann sich für andere als gefährlich entpuppen. Er wird sich für besonders fromm halten und alle, die länger schlafen als er, als Faupelze und Nichtsnutze beschimpfen. Er wird ihnen predigen, dass man am besten um drei Uhr aufsteht, und wird alle, die sich nicht an diese Vorschrift halten, in die Hölle schicken. Hütet euch vor sochen Leuten!
Für dergleichen Dinge kann es keine unerschütterlichen Regeln für alle geben. Wir dürfen nicht festlegen, wie jeder sich anzuziehen hat, was er zu essen hat und von wann bis wann er zu schlafen hat. Man kann sich zwar ganz algemein darüber unterhalten, aber feste Regeln aufzustellen, das wäre unangemessen. Jeder muss sein Leben selber auf die Reihe kriegen, da hat ihm niemand dreinzureden. Und so viel Freiheit müsst ihr haben, dass ihr selber darüber entscheidet, wie ihr leben wollt. Andere mögen es nicht so halten, doch ein Sannyasin sollte es. Er sollte auf seiner Freiheit bestehen so zu sein, wie er ist, und so zu leben, dass es ihn froh und glücklich macht. Dabei muss er aber auch darauf achten, nicht so zu leben, dass er die Freiheit und das Glück anderer beeinträchtigt. Und dies genügt schon.
Ich wiederhole: Wir können uns gern ganz algemein darüber unterhalten, ob ein Sannyasin eine Altagsroutine und eine Disziplin braucht, aber hierzu strikte Regeln festlegen können wir nicht. Nehmt z.B. einen Zwangsraucher: Er hat die ganze Welt gegen sich, und doch raucht er weiter. Die Ärzte halten ihm vor, dass das Rauchen seine Gesundheit ruinieren wird, er aber sagt, er wisse das, aber er könne es nicht lassen.
Was ist mit ihm los? Fehlt ihm etwa etwas, das er unbedingt braucht und als Raucher bekommt? Eine mexikanische Feldstudie zum Thema Rauchen ergab seltsamerweise, dass Rauchsüchtige unter Nikotinmangel leiden, den sie durch Tabak, Tee und Kaffee beheben wollen. Dabei wird das Rauchen als etwas Unmoralisches verdammt. Aber was soll daran unmoralisch sein, Rauch ein– und auszuatmen?
Das ist zwar sinnlos, aber doch nicht unmoralisch! Er schädigt damit doch lediglich sich selber. Rauchen ist eine unschudige Dummheit und weiter nichts. Vieleicht braucht er das; vieleicht fehlt ihm etwas, das er durchs Rauchen befriedigt. Dann sollte er besser herausfinden und erkennen, was sein Problem ist. Unsere Kenntnis des menschlichen Körpers ist sehr beschränkt. Sie ist trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte in der Medizin beschränkt. Wir haben den Körper mit seinen Bedürfnissen und Problemen längst noch nicht gründlich verstanden.
Und weil das so ist, muss der Körper mit seinen Problemen selber fertigwerden. Wenn ihm Nikotin fehlt, fängt man an zu rauchen. Und wenn man erst einmal anfängt zu rauchen, ist man hilflos den Klauen der Gewohnheit ausgeliefert. Die meisten rauchen ja nicht aufgrund von Nikotinmangel, viemehr verfallen neun von zehn Betroffenen dem Rauchen aufgrund von Nachahmung. Und kaum rauchen sie automatisch, werden sie zu Sklaven einer Gewohnheit.
Jedenfalls darf keine Routine, keine Disziplin von außen aufgezwungen werden. Sannyasins einen algemeinen Verhaltens-Code vorzuschreiben, also wann sie aufzustehen und wann sie zu essen haben, ist weder möglich noch wünschenswert. Freilich kann man ein paar algemeine Empfehlungen aussprechen. Das Wesentliche aber ist, dass ein Sannyasin alles, was er tut, mit Bewusstheit tut, dass er bei all seinem Tun und Lassen sein eigenes Wohl und das Wohl anderer im Auge behält. Und was immer er auch tut – richtig ist es dann, wenn es seine Gesundheit, seinen Frieden und sein Glück fördert. Und wenn es andererseits seiner Gesundheit und seinem Glück schadet, sollte er die Finger davon lassen.
Was das Essen betrifft, sollte er auf eine frische, leichte und gesunde Kost achten; er sollte beim Essen unnötige Gewalt vermeiden; er sollte nichts essen, was durch die Schlachtung oder Verstümmelung von Lebewesen hergestellt wird. Kurz, Gesundheit sollte bei der Auswahl der Lebensmittel den Ausschlag geben. Noch etwas Wichtiges bezüglich Ernährung: Man muss lernen, einen Sinn dafür zu entwickeln, wie das Essen schmeckt. Und da kommt es mehr auf die Kunst zu essen an als auf die Speise selbst. Auf der Grundlage dieser ungefähren Hinweise zur Ernährung sollte man sich sein Menü je nach eigenem Geschmack entwerfen.
Andere können dir keine Disziplin vorschreiben, das ist einfach absurd. Tatsächlich ist jeder der Baumeister seines eigenen Schicksals. Wer sich in Sannyas einweihen lässt, erklärt damit, dass er selber über sein Leben zu entscheiden wünscht, dass er das Recht hat, selber das Steuer in die Hand zu nehmen. Man mag einwenden, dass ein Sannyasin Gefahr laufe sich zu irren, wenn er seine eigenen Entscheidungen trifft.
Soll er sich irren … er wird für seine Fehler büßen. Aber was geht dich das an? Wenn er alles richtig macht, wird er froh sein, und wenn er alles falsch macht, wird er leiden. Es gehört sich nicht, in das, was andere tun und warum sie es tun, seine Nase zu stecken. Ja, es ist geradezu unmoralisch, sich in das Leben eines anderen einzumischen. Was fällt dir ein, dich ihm in den Weg zu stellen? Man darf sich einem anderen nur dann in den Weg stellen, wenn seine Fehler anfangen anderen zu schaden; andernfalls muss man ihn in Ruhe lassen. Mag er Fehler machen, und aus seinen Fehlern lernen!
Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)
Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit
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